Nachdem der deutsche Rennstall Red Bull-Bora-hansgrohe im letzten Jahr mit Florian Lipowitz „nur“ den Vize-Meister stellte, will man diesmal wieder nach Gold greifen. Aber leicht wird es nicht, für die fünf Fahrer des deutschen Teams, von denen Giro-Etappensieger Nico Denz aber auch Ben Zwiehoff oder Jonas Koch zum Favoritenkreis zu zählen sind. Top-Favorit Florian Lipowitz hat seine Meldung kurzfristig zurückgezogen, weil er sich möglicherweise intensiv auf die Tour vorbereiten will. Die Nominierung für die Frankreich-Rundfahrt steht allerdings noch aus.
Die Konkurrenz ist groß: Nicht nur Maximilian Schachmann, im letzten Jahr noch im Bora-Trikot, würde sich über ein weiteres Meistertrikot freuen, das er bereits 2019 und 2021 gewann. Auch Emanuel Buchmann (Cofidis), der 2023 als Sieger über den Zielstrich fuhr, oder Nils Politt (UAE Team Emirates), Champion 2022, gehören zum Kreis der Favoriten, genau wie die beiden Georgs, Zimmermann (Intermarché) und Steinhauser (EF Education). Sie werden sich auf dem topographisch anspruchsvollen Kurs besser zurechtfinden als die beiden Lokalmatadoren Niklas Märkl (Picnic PostNL) und Pascal Ackermann (Israel Premier Tech), denen ein Sprinterkurs lieber gewesen wäre. Titelverteidiger Marco Brenner muss diesmal passen. Bei einem Sturz beim Giro d`Italia hat er sich das Innenband gerissen und konnte bisher nicht trainieren. „Ich habe seit dem Giro noch nicht auf dem Rad gesessen und werde meinen Titel leider nicht verteidigen können,“ bedauert der Vorjahressieger.
Ursprünglich war das auch geplant, aber weil Kaiserslautern als Start-und Zielort kurzfristig nicht möglich war, wich man ins nahegelegene Linden aus, und hat einen Parcours gewählt, der sich schon bei der Nachwuchsmeisterschaft 2019 bestens bewährt hat.
Dass die Meisterschaft überhaupt so kurzfristig in der Pfalz ausgetragen werden kann, ist Andreas Märkl zu verdanken, umtriebiger Präsident des ausrichtenden Vereins RSC Linden und des Pfälzer Radfahrerbundes, der einsprang, weil ein anderer Ausrichter kurzfristig zurückgezogen hatte und die Meisterschaft auf der Kippe stand.
Der 19,8 km lange Rundkurs ist recht anspruchsvoll. Je nach Altersklasse und Wettbewerb werden zwischen zwei und zehn Runden gefahren. Pro Runde sind 370 Höhenmeter zu bewältigen; eine Strecke, die Ausdauer, Taktik und Kletterstärke verlangt. Zu den markanten Punkten gehören unter anderem der Anstieg in Linden und die Abfahrt nach Queidersbach. Die Elite der Männer fährt zehn Runden was einer Gesamtlänge von 198 Kilometern und 3700 Höhenmetern entspricht.
Die Frauen tragen ihr Meisterschaftsrennen am Samstag aus. Sie bestreiten sechs Runden (118, km/2022 Höhenmeter). Zum Kreis der Favoritinnen zählen einmal mehr Liane Lippert, (Movistar), sowie die starken-Canyon-Fahrerinnen Ricarda Bauernfeind, Antonia Niedermaier und Justyna Czapla, die aufgrund ihrer Mannschaftsstärke taktisch gegenüber Einzelfahrerinnen wie Lippert oder Titelverteidigerin Franziska Koch im Vorteil sind. Dass das aber keine Garantie für einen Meisterschaftserfolg ist, bewies ja 2024 Franziska Koch eindrucksvoll.
„Die Deutsche Meisterschaft ist immer ein besonderes Rennen, da es wenig Team Dynamiken gibt,“ sagt sie. „Ich erwarte definitiv ein hartes Rennen. Den Kurs schätze ich härter ein als letztes Jahr. Mein Training verlief ganz gut in den letzten Wochen, und ich hoffe natürlich, das Trikot verteidigen zu können. Aber es wird nicht einfach,“ so die Titelverteidigerin, die mit großer Konkurrenz rechnet: „Die Konkurrenz ist stark, Liane (Lippert) hat ihre gute Form ja schon in den letzten Rennen gezeigt.“
Zum zweiten Mal werden bei einer Elite-DM auch die Straßenrennen der Nachwuchsklassen ausgetragen. „Das das auch diesmal geklappt hat, wo die Planungen so kurzfristig waren, ist großartig,“ freut sich GC-Vize-Präsident Günter Schabel über die Zusage des Ausrichters, auch die jüngeren Jahrgänge starten zu lassen. So werden am letzten Juni-Wochenende rund 1000 Sportlerinnen und Sportler in der Pfalz erwartet. Am Samstag starten neben den Frauen auch die Juniorinnen, sowie das Feld der männlichen und weiblichen Jugend U17 und Schüler U15. Die Junioren gehen neben der Elite männlich am Sonntag auf den Meisterschaftskurs.
Die ersten Medaillen werden bereits am Freitag in den Einzelzeitfahr-Wettbewerben der Elite und U23 in Ramstein vergeben. Titelverteidiger in den Eliteklassen sind Nils Politt und Mieke Kröger. Der anspruchsvolle Kurs durch die Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach im Landkreis Kaiserslautern ist 22,6 Kilometer lang und weist rund 287 Höhenmeter auf. Start und Ziel befinden sich an der Realschule plus in Ramstein. Besonders markant ist der Anstieg zum Potzberg – ein Highlight der Strecke und ein echter Prüfstein für alle Starterinnen und Starter.
Wer nicht live bei den Titelkämpfen dabei sein kann, der kann sich über die Live-Übertragung der Elitestraßenrennen am Wochenende im dritten Programm des SWR freuen.
