Zum Abschluss der Bahn-Europameisterschaften in Konya (Türkei) hat der deutsche Radsportverband German Cycling (GC) über zwei weitere Medaillen jubeln können: Roger Kluge und Moritz Augenstein gewannen mit einer mehr als dominanten Vorstellung den Titel im Zweiermannschaftsfahren; Lea Sophie Friedrich fuhr im Keirin zu Bronze. Insgesamt holte GC neunmal Edelmetall: Dreimal Gold, zweimal Silber und viermal Bronze. Im Medaillenspiegel belegte Deutschland damit Rang drei.
Ein viel schöneres Geschenk zu seinem 40. Geburtstag hätte sich Roger Kluge (REMBE | rad-net) wohl nicht machen können: Er und Moritz Augenstein (RSV Irschenberg) dominierten das 50 Kilometer lange Rennen. Von Beginn an sammelten sie in den Wertungssprints Punkte und schon vor Rennhälfte holten sie alleine den ersten Rundengewinn heraus, mit dem sie sich an die Spitze des Klassements setzten. Mit einem weiteren Rundengewinn kurze Zeit später waren sie für die Konkurrenz nur noch schwer einzuholen. Am Ende siegten Kluge/Augenstein mit 85 Punkten und 30 Punkten Vorsprung vor Portugal. Den dritten Platz belegte Belgien mit 38 Punkten.
„Uns war schon bewusst, dass wir zu den Favoriten gehören und die Konkurrenz auf uns blicken wird. Dennoch war unser Ziel ganz klar eine Medaille. Dass wir diesen Titel so überlegen gewinnen konnten, das hätte ich aber nie gedacht. Wir hatten eine Taktik, die wir eins zu eins umsetzen konnten“, freute sich Roger Kluge über seinen mittlerweile sechsten EM-Titel und den fünften im Madison. „Wir haben einen sehr guten Plan gehabt und der hat zu 100 Prozent geklappt. Im Endeffekt waren wir schon mit dem ersten Rundengewinn gut mit dabei, haben den Titel dann aber mit dem zweiten Rundengewinn abgesichert. Ich bin mehr als happy“, erklärte Moritz Augenstein. Für Augenstein war es der erste internationale Titel im Zweiermannschaftsfahren. Vergangenen Sommer wurde er bereits Derny-Europameister, im Herbst krönte er sich zum Scratch-Weltmeister.
Auch Ausdauer-Bundestrainer Lucas Schädlich zeigte sich zufrieden: „Die Art und Weise, wie Roger und Moritz hier heute gewonnen haben, war einfach Wahnsinn. Schön waren natürlich auch der Titel von Tim Teutenberg im Punktefahren sowie seine Silbermedaille im Ausscheidungsfahren.“ Weiter freute sich der Coach, dass in der Mannschaftsverfolgung der Abstand zur Weltspitze mit dem deutschen Rekord verkürzt werden konnte: „Es schiebt sich zwar alles enger zusammen, aber wir haben einen großen Schritt nach vorne gemacht. Daraus nehmen wir eine Menge Motivation mit. Wir haben definitiv noch Potential.“
Als Fünfte im Zweiermannschaftsfahren der Frauen konnten Lena Charlotte Reißner (LKT-Team) und Lea Lin Teutenberg (Lotto-Intermarché Ladies) am letzten EM-Tag auch noch ein gutes Resultat erzielen.
„Im Großen und Ganzen können wir mit der Medaillenausbeute zufrieden sein. Zwar konnten wir keinen Titel holen, aber in keinem Rennen waren wir schlechter als Platz sieben“, bilanzierte Frauen-Bundestrainer André Korff. „In der Mannschaftsverfolgung wollten wir aufs Podium, das hat geklappt. Etwas ärgerlich ist es allerdings, dass wir zum vierten Mal ‚nur‘ Vize geworden sind und auch unseren Rekord verloren haben. Im Scratch hat Lena mit ihrer Bronzemedaille für eine kleine Überraschung gesorgt und gezeigt, was sie kann. Lins Dritter Platz im Ausscheidungsfahren war auch sehr stark.“
Über eine weitere Medaille konnte sich auch Lea Sophie Friedrich (RSC Cottbus) im Keirin freuen. Sie hatte sich mit Laufsiegen in der Vorrunde und im Halbfinale souverän ins Finale gefahren. Dort nahm sie früh die Spitze, doch auf der Zielgeraden zogen noch Alina Lysenko und Mathilde Gros (Frankreich) an ihr vorbei. Clara Schneider (RSV Finsterwalde) belegte den elften Platz. Bei den Männern kam Luca Spiegel (RV Offenbach) auf Rang sieben.
„Die EM hat gezeigt, dass das Niveau immer höher und dichter wird. Bei den Frauen sind wir vorne noch dabei, aber es wird immer enger. Bei den Männern haben wir viel Arbeit vor uns, um wieder Anschluss zu finden“, erklärte Kurzeit-Bundestrainer Jan van Eijden, der sich neben dem EM-Titel im Teamsprint und der Bronzemedaille von Friedrich im Keirin auch über die Leistung der jungen Clara Schneider, die im Teamsprint das Trio als Anfahrerin auf Schwung brachte und im 1000-Meter-Zeitfahren Neunte wurde, freute: „Für Clara war es eine sehr, sehr gute EM. Sie musste die WM weglassen, weil sie lange krank war. Nun ist sie wieder auf dem aufsteigenden Ast.“
„Die EM war eine erste wichtige Standortbestimmung ein halbes Jahr vor den ersten olympischen Qualifikationswettkämpfen. Die Rennen haben die Entwicklungen innerhalb unseres Kaders bestätigt, verdeutlichten aber auch, dass sich die europäische Spitze weiter verbreitert hat. Viele Nationen haben aufgrund des anstehenden Olympia-Qualifikationsprozesses massive Anstrengungen vorgenommen. Neben den Leistungen der Sportlerinnen und Sportler, werden finanzielle und personelle Ressourcen eine größere Rolle spielen. Es wird spannend in Richtung Olympia-Qualifikation“, so GC-Sportdirektor Patrick Moster.
