Auch am zweiten Wettkampftag der Bahn-Europameisterschaften in Konya in der Türkei waren die Rennfahrerinnen und Rennfahrer des deutschen Radsportverbandes German Cycling (GC) sehr erfolgreich. Tim Torn Teutenberg (Lidl-Trek) holte den EM-Titel im Punktefahren und damit seine bereits zweite Medaille bei diesen Titelkämpfen. Der Frauen-Vierer fuhr zu Silber. Lea Lin Teutenberg (Lotto-Intermarché Ladies) gewann außerdem Bronze im Ausscheidungsfahren.
Eigentlich war Tim Torn Teutenberg gar nicht für das Punktefahren vorgesehen, doch er sprang für den erkrankten Roger Kluge ein. Das 40 Kilometer lange Rennen mit 16 Wertungssprints war sehr umkämpft und wurde letztendlich über Rundengewinne entschieden. Von denen holte Teutenberg gleich vier, den letzten etwa 15 Runden vor Schluss – und damit machte er den Titelgewinn klar. Mit 106 Punkten setzte sich der Kölner vor Conrad Haugsted (102/Dänemark) und Jasper De Buyst (98/Belgien) durch. „Das war echt stark, wie er gefahren ist, gerade in der zweiten Rennhälfte“, lobte Bundestrainer Lucas Schädlich. „Diese Goldmedaille hat einen sehr hohen Stellenwert für mich, da das Punktefahren nicht meine absolute Paradedisziplin ist. Damit habe ich wirklich nicht gerechnet, zumal die Konkurrenz mega stark war. Aber ich hatte heute super Beine“, freute sich Teutenberg. Der 23-Jährige ist ein wahres Multitalent, denn seine Titelsammlung konnte er nun mit noch einer Disziplin erweitern, nachdem er schon Weltmeister im Zweiermannschaftsfahren sowie Europameister im Ausscheidungsfahren und Omnium war.
Seine Schwester Lea Lin Teutenberg hatte 2024 auch schon einmal Edelmetall im Ausscheidungsfahren gewonnen, nun holte sie in ihrer Lieblingsdisziplin eine weitere Medaille. Sie war das ganze Rennen über gut positioniert und scheute sich auch nicht davor, selber anzugreifen, wenn das nötig war, um ihre Position zu verteidigen. Am Ende musste sie nur Superstar Lotte Kopecky (Belgien) und Victoire Berteau (Frankreich) den Vortritt lassen.
Der deutsche Frauen-Vierer mit Franziska Brauße, Lisa Klein, Laura Süßemilch (alle REMBE | rad-net women) und Mieke Kröger (RV Teutoburg Brackwede) hatte sich souverän ins Finale gefahren. Dort traf das Quartett auf Großbritannien, das in der Zwischenrunde einen neuen Weltrekord aufgestellt hatte. Lange konnten die Deutschen gegenhalten, konnten sich gegenüber den beiden Vorrunden nochmals steigern und erzielten mit 4:05,448 Minuten die zweitschnellste Zeit, die ein deutscher Frauen-Vierer jemals gefahren ist – besser waren sie nur bei ihrem Olympiasieg 2021 in Tokio unterwegs. Doch Großbritannien konnte auch nochmal zulegen, siegte in neuer Weltrekordzeit von 4:02,808 Minuten. „Wir sind sehr zufrieden mit dem zweiten Platz und der zweitschnellsten Zeit, die wir bis jetzt gefahren sind. Wir haben alles gegeben. Die Britinnen hatten den kleinen Vorteil, dass sie im Finale eine Fahrerin austauschen und insgesamt zu fünft fahren konnten. Wir sind das komplette Turnier mit vier Frauen gefahren“, bilanzierte Brauße.
Auch die Männer präsentierten sich in der Mannschaftsverfolgung stark – wurden für ihre Leistung aber nicht belohnt. Benjamin Boos, Max-David Briese (beide REMBE | rad-net), Felix Groß (Frankfurter RC 90) und Ben-Felix Jochum (Lotto Kern-Haus Outlet Montabaur) waren in 3:45,853 Minuten so schnell unterwegs wie noch kein deutscher Vierer zuvor, verbesserten den deutschen Rekord von Tokio 2021 (3:48,861) um drei (!) Sekunden – und trotzdem reichte es am Ende „nur“ zum sechsten Platz. Denn um den Einzug in die beiden Finalläufe ging es äußerst eng zu – den Deutschen fehlte weniger als eine Sekunde. „Mit dem sechsten Platz sind wir natürlich nicht zufrieden, denn das Ziel war ganz klar ins Finale zu fahren. Der Rekord war aber gut. Entsprechend können wir mit unserer Leistung zufrieden sein, wenngleich es noch nicht perfekt lief – wir haben also noch Luft nach oben. Bis zur WM, die das erste Turnier für die Olympia-Qualifikation ist, haben wir noch etwas Zeit, wissen aber auch, dass wir uns nicht zurücklehnen können“, so Schädlich.
Eine Medaille knapp verpasst hat auch Maximilian Dörnbach (RSC Cottbus) im 1000-Meter-Zeitfahren. Mit seiner Fahrzeit von 59,223 Sekunden belegte er den fünften Rang. Am schnellsten war Joseph Truman (Großbritannien), der in 57,541 Sekunden den Titel gewann.
Im Sprint-Turnier der Frauen steht Lea Sophie Friedrich im Halbfinale. Sie wie auch Pauline Grabosch (beide RSC Cottbus) hatten sich als dritte beziehungsweise fünfte der Vorrunde souverän qualifiziert, hatten im Achtelfinale auch keinerlei Mühe, ihre Gegnerinnen auszuschalten. Im Viertelfinale bezwang Friedrich die Niederländerin Hetty van de Wouw glatt in zwei Läufen. Pauline Grabosch schied hier gegen die WM- und EM-Dritte des vergangenen Jahres, Alina Lysenko, aus. Das Sprint-Halbfinale sowie das Finale werden am morgigen Dienstag ausgetragen.
