Weltmeister trainieren in Cottbus

11 Wochen nach den Bahn-Weltmeisterschaften in Berlin sind Deutschlands Top-Sprinter in der Corona-Krise zum ersten gemeinsamen Trainingslager in Cottbus zusammengekommen. Seit Montag trainieren sie auf der offenen Bahn in der Lausitz. Alles ist anders als sonst. Abstandsregeln, Hygienemaßnahmen, kein Abklatschen nach erfolgreicher Trainingseinheit. Aber alle sind froh, dass sie sich wieder austauschen -, gemeinsam trainieren und über bevorstehende geplante Wettkämpfe reden können.

Für Emma Hinze ist das Training fast wie immer. Die dreifache Weltmeisterin hat auch in den letzten Wochen auf ihrer Heimbahn in Cottbus trainieren dürfen. Allein, nur unter Aufsicht ihres Heimtrainers Aleksander Harisanow. Das hatte auch Vorteile: „Er hat sich voll auf mich konzentriert, konnte auf jedes Detail achten. Wir haben viel Zeit miteinander verbracht. Trotz intensiver Einheiten auf der Bahn war es irgendwie aber auch entspannter als sonst“, erzählt Hinze, die nur wenige Straßen von der Radrennbahn entfernt lebt. „Mit dem Rad brauche ich keine zwei Minuten, dann bin ich da,“ freut sie sich über den nahen Arbeitsplatz.

Ihre Motivation, verrät Hinze, sei gleichgeblieben. „Ich gehe genauso konzentriert an die Sache ran. Ich habe ein großes Ziel, und das sind die Olympischen Spiele, auch wenn sie um ein Jahr verschoben wurden“, sagt Hinze, die heute Vormittag mit Lea-Sophie Friedrich und Pauline Grabosch „K1-Antritte“ trainiert hat und sich gut in Form fühlt.  Die Abstände sind größer als sonst, man hält sich an die Regeln. Auch im Kraftraum, wo nur fünf Sportlerinnen und Sportler gleichzeitig trainieren dürfen. Man hat die Kader in Gruppen eingeteilt. Neben den Elitefahrern, die sich auf die Spiele von Tokio vorbereiten, trainiert auch der U23-Nachwuchs in Cottbus.

Bundestrainer Detlef Uibel und U23-Trainer Carsten Bergemann sind froh, ihre Athletinnen und Athleten wieder um sich zu haben. „Es ist wichtig, einen Überblick über den Leistungsstand zu bekommen,“ sagt Uibel. „Jeder hat bisher doch sehr individuell Kraft und Kondition trainiert. Für manche ist es auch das erste Bahntraining nach langer Zeit.“

Bis zum Beginn des Lehrgangs konnte sich Uibel nur an Zahlen orientieren. Messwerte wurden ihm von den Sportlern oder ihren Heimtrainern regelmäßig übermittelt. Jetzt kann er sich persönlich vom Leistungsstand seiner Athleten überzeugen. „Dieses Trainingslager ist der Start in die zentrale Lehrgangsphase. Ich hoffe, dass wir bereits in drei, vier Wochen wieder hier zusammenkommen können“, sagt Uibel.

Die offene Bahn von Cottbus ist ideal, weil man viel besser alle Regeln in der Corona-Krise beachten kann. Auch außerhalb der Bahn läuft alles nach Vorschrift:  Es sitzen maximal zwei Leute am Tisch, die Sportler haben alle Einzelzimmer. In die Krafträume dürfen nur eine begrenzte Anzahl an Athleten gleichzeitig.

„Dieses Trainingslager ist für uns enorm wichtig. Wir haben Zeit, persönliche Gespräche zu führen, müssen uns nicht aufs telefonieren oder chatten beschränken,“ freut sich Uibel, seinen Athleten wieder etwas näher sein zu dürfen, wenn auch mit mehr Abstand als sonst.

„Unser Hauptproblem sind die fehlenden Wettkämpfe“, bedauert Uibel, dass der Sport derzeit weltweit stillsteht. Aber auch wenn die Olympischen Spiele ins nächste Jahr verschoben wurden: Die BDR-Nationalmannschaft hofft auf die Durchführung anderer internationaler Titelkämpfe noch in diesem Jahr. Im November soll die Europameisterschaft ausgetragen werden.  Ob in Bulgarien, das steht – wie so vieles in dieser Zeit – aber noch nicht fest.

 

Das etwas andere Gruppenbild: Die Bahn-Nationalmannschaft beim Training in Cottbus. In vorderer Reihe die Teamsprint-Weltmeisterinnnen Pauline Grabosch, Emma Hinze und Lea-Sophie Friedrich (von links).   Foto: BDR 

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