Politt holt Zeitfahr-Titel zurück – Koch erstmals Meisterin
Nils Politt (Mitte) gewann zum dritten Mal den DM-Titel vor Max Walscheid (li.) und Jasha Sütterlin. Foto: Christoph Kont

Am ersten Wettkampftag der Deutschen Straßen-Meisterschaften sind die Titel im Einzelzeitfahren vergeben worden. Während Nils Politt (UAE-Team Emirates-XRG) zum dritten Mal erfolgreich war, siegte Franziska Koch (FDJ United-Suez) erstmals im Kampf gegen die Uhr. In der U23-Klasse verteidigten Bruno Keßler (Tudor U23) und Justyna Czapla (Canyon-Sram) ihre Titel.

Männer
Bei hochsommerlichen Bedingungen, die bereits morgens herrschten, entwickelte sich im Zeitfahren der Männer Elite ein Sekundenkrimi. Von Beginn an lagen die Favoriten dicht beieinander – und im Ziel entschieden gerade einmal zwei Sekunden um die jeweiligen Medaillen. Politt legte die 41 Kilometer mit Start und Ziel in 48:25 Minuten zurück und setzte sich gerade einmal mit 1,80 Sekunden Vorsprung vor Max Walscheid (Lidl-Trek) und 2,16 Sekunden vor Jasha Sütterlin (Jayco-AlUla) durch.

„Es war extrem knapp zwischen Jasha, Max und mir. Mir war klar, dass sich das Zeitfahren hinten raus entscheiden würden und dort habe ich noch einmal alles rausgehauen, was ich hatte“, sagte Politt nach dem Rennen. Dabei hatte er noch Glück: Rund anderthalb Kilometer vor dem Ziel fiel ihm die Kette herunter, konnte das Problem aber schnell beheben. Dennoch kostete es ihn etwas Zeit. „Aber zwei Sekunden Vorsprung, sind zwei Sekunden Vorsprung. Ich freue mich riesig, jetzt wieder das Meistertrikot zu tragen.“ Aber auch Walscheid blieb nicht fehlerfrei. Am letzten Anstieg gab er noch einmal alles. „Oben war ich dann so am Limit, dass ich kurz ins Gras abgekommen bin, weil ich einen Schlenker gemacht habe.“ Und Sütterlin sagte: „Am Ende war es ein ehrliches Zeitfahren.“

Vorjahressieger Maximilian Schachmann (Soudal-Quick Step), der 2016 auf derselben Strecke den U23-Meistertitel im Kampf gegen die Uhr gewonnen hatte, belegte 13 Sekunden zurück den vierten Rang.

Zuvor fuhr bereits die U23, ebenfalls über 41 Kilometer, um Meisterehren. Keßler verteidigte seinen Titel mit einer Fahrzeit von 49:21 Minuten – eine Zeit mit der er in der Elite-Klasse auch in die Top-Ten gefahren wäre. Mit 17 Sekunden Rückstand wurde Paul Fietzke (Red Bull-Bora-hansgrohe Rookies) Zweiter; den dritten Platz belegte Ian Kings (Visma-Lease a Bike Development-Team) mit 38 Sekunden Rückstand.

Frauen
Koch hatte schon vor dem Titelrennen ihre Ambitionen deutlich gemacht und regelmäßig für das DM-Zeitfahren trainiert. Auch nach Streufdorf war sie frühzeitig angereist, um sich mit der 26,2 Kilometer langen Strecke vertraut zu machen – und das offenbar mit Erfolg. Diese legte sie in 33:58 Minuten zurück und setzte sich mit 25 Sekunden Vorsprung vor Vorjahressiegerin Antonia Niedermaier (Canyon-Sram) durch. Lisa Klein (REMBE | rad-net women) holte sich mit 1:11 Minuten Rückstand die Bronzemedaille.

„Ich habe mich darauf fokussiert, mein Bestes zu geben. Das Ergebnis kann man nicht beeinflussen. Ich freue mich sehr, nachdem ich schon zweimal die Straßen-DM gewinnen konnte, dass ich nun auch Gold im Zeitfahren holen konnte“, sagte Koch nach der Siegerehrung. „Nun blicke ich positiv in Richtung Straßenrennen am morgigen Samstag.“ Niedermaier zeigte sich mit Platz zwei zufrieden: „Ich wusste, dass es nicht die beste Strecke für mich ist, sondern eher ein Drückerkurs. Ich habe alles gegeben, und deshalb kann ich mich über Silber freuen.“ Das tat auch Klein über Rang drei: „Die Bronzemedaille hinter zwei solchen Kanonen ist absolut in Ordnung. Die eine hat dieses Jahr Paris-Roubaix gewonnen, die andere war gerade Zweite beim Giro d’Italia. Da ist es keine Schande, von ihnen geschlagen zu werden.“

Ähnlich deutlich gewann Czapla bei den Frauen U23. Sie benötigte 35:26 Minuten und verwies mit 40 Sekunden Vorsprung Magdalena Leis (UAE Development-Team), die im vergangenen Jahr noch U19-Meisterin im Zeitfahren war, auf den zweiten Platz. Messane Bräutigam (AG Insurance-Soudal Devo-Team) wies als Dritte 51 Sekunden Rückstand auf.

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