Weltmeisterin Marlen Reusser ist auch die schnellste Zeitfahrerin Europas. Die Schweizerin gewann nach Gold in Ruanda auch das 24 km lange Einzelzeitfahren der weiblichen Elite in der Ardeche vor der Norwegerin Mie Bjørndal Ottestad, die 49 Sekunden Rückstand hatte und der Niederländerin Mischa Bredewold (51 Sek.).
Die beiden deutschen Starterinnen, Lisa Klein und Franziska Brauße, fuhren auf die Plätze 16 und 19.
„Vom Gefühl her habe ich die Hälfte meiner Energie gebraucht, um auf dem Rad zu bleiben und mich den Windböen entgegenzustemmen,“ sagte Franziska Brauße nach dem Rennen. Die Olympiasiegerin von Tokio (Mannschaftsverfolgung) war über drei Minuten langsamer als die Siegerin, konnte das Resultat aber schwer einordnen. „Ehrlich gesagt, ich weiß nicht, wo ich gerade so leistungsmäßig stehe. Ich komme gerade aus Livigno, aus dem Höhentraining. Darum habe ich hier noch nicht die Form, die ich mir wünsche,“ so Brauße, deren Saisonhöhepunkt ganz klar auf den Bahn-Weltmeisterschaften in Chile in drei Wochen liegt. Da war diese Europameisterschaft nur eine Zwischenstation.
Genau wie für Lisa Klein, die ebenfalls in der Höhe trainierte und im Zeitfahren den 16. Platz belegte, 2:38 Minuten hinter Reusser. „Unter den gegebenen Umständen waren die Leistungen in Ordnung,“ sagte Bundestrainer André Korff. „Vom Ergebnis hätten wir uns etwas mehr gewünscht.“
Mit zwei Top-Ten-Platzierungen endete dafür das Zeitfahren der Frauen U23. Justyna Czapla und Linda Riedmann fuhren fast zeitgleich auf die Plätze sechs und sieben, hatten 1:14, bzw. 1:15 Minuten Rückstand auf die neue Europameisterin aus Italien, Federica Venturelli.
In der ersten Rennhälfte des 24 km langen Einzelzeitfahrens lag Czapla noch hinter Riedmann zurück, konnte dann aber aufholen und am Ende den sechsten Platz belegen. „Ich habe mich echt gut gefühlt, besser als bei der WM, aber der Wind war brutal. Das kam mir nicht entgegen, da hatte ich zu kämpfen. Die Umstellung von Afrika auf Europa habe ich aber gut verkraftet“, sagte Czapla im Ziel.
Linda Riedmann meinte: „Ich bin echt zufrieden, wie es gelaufen ist. Es war schon ein hartes Rennen. Der Wind war krass, erst von der Seite, dass es dich fast vom Rad gefegt hat, dann von vorn. Den letzten Anstieg eineinhalb Kilometer vor dem Ziel fand ich wieder cool. So was kommt mir entgegen. Lisa Brennauer hat mich im Materialwagen begleitet. Das war auch Klasse, von ihr Kommandos zu bekommen.“
Im Zeitfahren der männlichen U23 fuhren Louis Leidert und Paul Fietzke wie schon in der letzten Woche bei der WM unter die besten 20. Leidert wurde mit 1:19 Minuten Rückstand 14, Fietzke verlor auf den belgischen Sieger 1:21 Minuten und wurde 15. „Das sind ordentliche Resultate, da kann man nicht meckern,“ sagte Bundestrainer Ralf Grabsch. „Sie waren gut dabei, zur absoluten Spitze fehlt aber noch ein Stück.“
Walscheid Zwölfter
In der Eliteklasse der Männer fuhr Weltmeister Remco Evenepoel erneut zum Titel, siegte nach 24 km mit 43 Sekunden vor dem Italiener Filippo Ganna und 1:08 Minuten vor Niklas Larsen aus Dänemark. Maximilian Walscheid verpasste als Zwölfter mit 2:02 Minuten Rückstand auf Evenepoel knapp den Sprung in die Top-Ten.
„Es hat alles gepasst, meine Werte waren top, es war ein Supertag. Etwas weniger Wind, und ich wäre viel weiter vorn gelandet,“ sagte der Neuwieder nach dem Rennen und verriet, dass er sich sehr auf diese EM vorbereitet hatte.
„Max stand wie ein Kleiderschrank im Wind. Bei seiner Körpergröße war es bei dem Wind schwierig für ihn, aber seine Werte waren top,“ sagte Sportchef Jens Zemke.
Der zweite deutsche Starter, Miguel Heidemann, kam auf dem sehr windanfälligen Kurs auf Rang 21, hatte 2:46 Minuten Rückstand. Er war der viertbeste unter jenen Fahrern, die nur einem Kontinental-Team angehören.
