In der Nacht erkrankte Louis Leidert und hätte seinen Start gern abgesagt. Weil aber Maximilian Walscheid, gestern im Einzelzeitfahren guter Zwölfter, von seiner Profimannschaft Jayco AlUla keine Freigabe für die Mixed-Staffel erhielt, weil er für den Münsterland-Giro am 3. Oktober vorgesehen ist, und auch kein weiterer Straßenfahrer kurzfristig zur Verfügung stand, ging Leidert an den Start. Ihm ging es aber so schlecht, dass er nach einem Kilometer ausscherte und Miguel Heidemann und Paul Fietzke fortan ein Paarzeitfahren fuhren und ihre Runde (20 km) auf Rang fünf mit einem Rückstand von 1:08 Minuten auf die führenden Italiener beendeten.
Dann gingen Lisa Klein, Franziska Brauße und Mieke Kröger ins Rennen und konnten sich auf ihrer Runde um einen Platz, auf Rang vier verbessern. Aber in die Medaillenränge schafften sie es nicht, dazu fehlten 45 Sekunden zur Schweiz, die auf den Bronzerang fuhren.
Neue Europameister wurde Frankreich, das mit seiner starken Frauen-Mannschaft auf den letzten Kilometern noch Italien von Platz 1 verdrängte und sechs Sekunden schneller fuhr.
„Das Ergebnis geht in Ordnung. Mehr hatten wir angesichts der Umstände nicht erwartet. Wir haben sogar am Vormittag kurzzeitig überlegt, den Wettbewerb abzusagen, haben uns aber im Interesse der dafür extra angereisten Sportlerinnen dagegen entschieden,“ erklärte Jens Zemke, Teamchef der deutschen Männer.
„Die Mädels sind solide gefahren, aber der Rückstand war einfach schon zu groß, um noch in die Medaillenränge fahren zu können,“ sagte Frauen-Bundestrainer André Korff.
Junioren knapp geschlagen
Die Junioren-Staffel, bestehend aus jeweils drei weiblichen und drei männlichen Fahrern, hatte am Vormittag knapp eine Medaille verpasst. Es siegte Norwegen mit 34 Sekunden vor Frankreich und 37 vor Polen. German Cycling kam mit 45 Sekunden Rückstand auf den undankbaren vierten Platz, verpasste Bronze um acht Sekunden.
Benedikt Benz, Viktor Wedekind und Zeno Levi Winter starteten sehr gut in den Wettbewerb, übergaben nach der ersten von insgesamt zwei Runden (2x 20 km) in Führung liegend an die Juniorinnen. Aber der Vorsprung zu Norwegen betrug nur zwei Sekunden.
Victor Wedekind ist am letzten Anstieg ganz stark gefahren und hat die starke Teamleistung vollendet,“ lobte Bundestrainer Wolfgang Ruser den Thüringer, war aber mit dem Auftritt der gesamten Mannschaft hoch zufrieden.
Doch die Abstände waren knapp. Das Rennen längst nicht entschieden. Klara Dworatzek, Jette Jäger und Laura Nollau mussten in ihrer Runde die Konkurrentinnen aus Norwegen und Frankreich wieder vorbeiziehen lassen, die etwas schneller waren das deutsche Trio. Und schließlich musste das deutsche Trio, dass auf Bronze hoffte, sich auch noch Polen geschlagen geben, die sich in Finale noch auf den dritten Platz verbessern konnten, acht Sekunden vor German Cycling.
„Wir können uns nichts vorwerfen, die Mädels haben alles gegeben. Sie sahen zu keinem Zeitpunkt langsam aus. Aber der Kurs war schwer, die Konkurrenz – vor allem die Polen im Finale – stärker,“ erklärte Bundestrainerin Trixi Worrack nach dem Rennen.
Sie hatte die EM-Zweite im Einzelzeitfahren, Magdalena Leis, heute nicht eingesetzt, um sie für das Straßenrennen zu schonen. Das findet bereits morgen statt, so dass manche Nachwuchsfahrerinnen drei Rennen hintereinander fahren müssen. Dieser Zeitplan ist zu eng, denn kaum eine Nation kann es sich leisten, ein so großes Kontingent aufzustellen, dass es keine Mehrfachstarts gibt.
