"Froh, dass es wieder losgeht"

Pressemitteilung vom 10.07.2020

"Froh, dass es wieder losgeht"

Interview mit Bahn-Bundestrainer Sven Meyer

Sven Meyer (35 Jahre, Ziltendorf) ist seit neun Jahren als Bundestrainer verantwortlich für den Bahn-Ausdauerbereich der Männer. Nach der erfolgreichen Weltmeisterschaft in Berlin mit WM-Bronze für Theo Reinhardt und Roger Kluge im Madison sowie dem Deutschen Rekord und erfolgreicher Olympia-Qualifikation für den Bahnvierer wurde Meyers Mannschaft seit Anfang März ebenfalls von der Corona-Pandemie gestoppt. Nach langer Pause hat Meyer seinen Kader erstmals wieder zu einem gemeinsamen Trainingslager auf der Radrennbahn in Frankfurt (Oder) eingeladen.

 

 

Wie war das Wiedersehen für die Sportler?
Das war relativ normal, alle haben irgendwie während der Zwangspause auch über die diversen Social-Media-Kanäle mal mehr oder auch mal weniger Kontakt gehalten. Ich denke aber, alle  sind froh, dass es jetzt wieder losgeht und wir auch wieder gemeinsam trainieren können – und aktiv in Richtung Olympische Spiele gehen können.

In Frankfurt (Oder) waren teilweise 17 Sportler im Lehrgang dabei, nur World-Tour-Profi Roger Kluge ist nicht angereist. Wie haben sich die Athleten präsentiert?
Gut. Wir haben keinen Totalausfall dabei – die Befürchtung hatte ich im Vorfeld durchaus ein wenig, dass der eine oder andere gar nicht kann. Aber alle sind ordentlich drauf und haben trotz der allgemeinen Einschränkungen gut gearbeitet.

Worum geht es in dieser Phase der Saison?
Es geht primär darum, wieder reinzukommen, einfach ein paar Basics aufzufrischen und mal wieder das Gefühl für die Bahn aufzunehmen.

Ab Anfang August sollen die Rennen wieder starten, auch unterhalb der World-Tour. Wie sind die Pläne für Ihre Mannschaft?
Wir haben überraschenderweise ein wirklich gutes Straßenprogramm für die nächsten Wochen zusammen bekommen. Gleich Anfang August starten einige Jungs bei einer Rundfahrt in Polen. Wir gehen damit in den normalen Rhythmus zurück mit Rundfahrten und Trainingslagern. Hier auf der Bahn in Frankfurt (Oder) wollen wir nochmals im September zusammen kommen – um hoffentlich die Vorbereitung auf die Europameisterschaft aufzunehmen. Die EM steht allerdings derzeit in den Sternen.

Wäre ein Höhepunkt wie eine Europameisterschaft wichtig für Sie als Bundestrainer?
Natürlich wäre es gut, wenn wir mal wieder in Wettkampfmodus kommen – mehr aber auch nicht. Wir haben derzeit eine komische Situation. Normalerweise sind wir immer mit Druck unterwegs -  sowohl die Mannschaften als auch die einzelnen Sportler. Eine EM in diesem Jahr und die nächste EM, die ja bereits im Februar 2021 angesetzt ist, haben aber eigentlich keine Bedeutung, weil es nicht mehr im Qualifikations-Punkte für die Spiele geht. Die nächste WM ist sogar erst nach den Olympischen Spielen 2021. Das schafft eine gewisse Freiheit in der Planung. Der Hauptfokus liegt deshalb ganz klar auf Tokio 2021.

Sie sind seit neun Jahren Bundestrainer, haben den Vierer sukzessive in die Weltspitze zurückgeführt. Nach Platz fünf bei den Spielen 2016 in Rio de Janeiro und einer stetigen Verbesserung der Bestzeiten sollte in diesem Jahr in Tokio der Angriff auf die Bronzemedaille erfolgen. Was hat die Verschiebung um ein Jahr ganz persönlich mit Ihnen gemacht?
Die Verschiebung war für mich ein Schlag. Ich habe mich wie alle zielgerichtet auf diesen Wettbewerb vorbereitet und hatte klare Pläne für die Zeit nach den Olympischen Spielen 2020. Ich wollte gern einen Schritt zurücktreten, um von Grund auf nochmals neue Kraft zu tanken. Jetzt gebe ich das eine Jahr bis zu den Spielen in Tokio Gas und dann schaue ich weiter. 

Foto:  Sven Meyer    (BDR)

 

 
 
 

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