Nachwuchs auf dem Weg in die Weltspitze

Heute beginnt die internationale Thüringen-Rundfahrt, eine Etappenfahrt für Frauen, die weltweit bekannt ist und Jahr für Jahr die besten Radsportlerinnen in den Freistaat lockt. Hierzulande steht der Frauenradsport trotz großer Erfolge deutscher Fahrerinnen immer noch im Schatten der Männer.

Die letzten internationalen Medaillen gewannen Lisa Brennauer (Bronze im Straßenrennen) und Trixi Worrack (Bronze im Zeitfahren) bei den Straßen-Europameisterschaften von Glasgow 2018.

Aber auch auf der Bahn ist in den Ausdauerdisziplinen der Anschluss an die internationale Spitze längst vollzogen. Bei der letzten Weltmeisterschaft in Pruszkow (Polen) im März diesen Jahres gewannen Lisa Brennauer und Lisa Klein Silber und Bronze in der Einer-Verfolgung.

Beide konnten sich in diesem Jahr auch schon auf der Straße durchsetzen. Klein gewann die Gesamtwertung der Health Ageing Tour in den Niederlanden, dort feierte Lisa Brennauer einen Etappensieg und gewann wenig später ein Etappenrennen in Luxemburg. Und auch Mieke Kröger, ehemalige Europameisterin im Straßenrennen und Zeitfahren der U23, überzeugte mit zwei Etappensiegen in der Gracia Orlova Rundfahrt.

Die Basis für die Erfolge im Frauenradsport werden sehr früh gelegt. In der Juniorenklasse ist seit Januar Lucas Schädlich für den Nachwuchs auf Straße und Bahn (Ausdauer) verantwortlich.  Der 30-Jährige studiert noch bis 2020 an der Trainerakademie Köln, wird dort zum Diplom-Trainer ausgebildet und betreibt seinen neuen Job mit viel Engagement und Herzblut.

Eine Trennung von Bahn und Straße gibt es im Ausdauerbereich der Juniorinnen nicht. Mannschaftsverfolgung, Punktefahren, Omnium, dann wieder Einsätze mit dem Straßenrad. Man muss flexibel sein.  Gerade ist Schädlich von einer Bahnveranstaltung in Polen zurückgekehrt und konnte dort weitere Fortschritte bei seinen Fahrerinnen erkennen. „Hanna Dopjans und Lea Waldhoff sind im Madison erst zum zweiten Mal als Paar gefahren und haben taktisch schon bedeutend besser agiert als zuletzt im Training in Frankfurt/Oder,“ sagt Schädlich. In Finja Smekal hat er eine Fahrerin in seinem Kader, die bereits eine kleine Führungsaufgabe hat. Sie fährt ihr zweites Juniorenjahr und hat den Neulingen im Kader daher einiges voraus. Die deutsche Omniumsmeisterin gewann im letzten Jahr mit dem Bahn-Vierer  EM-Bronze.

Sie ist eine der Hoffnungsträgerinnen bei den Bahn-Weltmeisterschaften vom 14. bis 18. August in Frankfurt/Oder. Dort möchte der BDR-Nachwuchs seinen Heimvorteil nutzen und auf Medaillenjagd gehen. „Von den gefahrenen Zeiten sind wir noch etwas von der Weltspitze entfernt, aber wir sind hochmotiviert,“ sagt Schädlich,  der sich auch über die ersten Erfolge auf der Straße freuen durfte. Lagen die deutschen Mädels in den ersten Rennen der Saison noch deutlich hinter den führenden Nationen Großbritannien, Frankreich und den USA zurück, konnten sie beim letzten Nationen-Cup Wertungsrennen in den Niederlanden bereits mit Top-Ten-Platzierungen überzeugen. „Die Rennen sind für uns sehr wichtig um zu lernen, Taktik zu verstehen und  Erfahrung zu sammeln“, sagt Schädlich. Seinen Kader nennt er ausgeglichen, möchte keine Sportlerin hervorheben, bescheinigt aber vor allem Lucy Mayrhofer ein sehr großes Talent.

Das besitzt zweifellos Hannah Ludwig aus Traben-Trarbach an der Mosel, die in den letzten beiden Jahren bei den Juniorinnen überaus erfolgreich fuhr. Sie gewann mehrere Meistertitel und holte 2018 Silber (Zeitfahren) und Bronze (Straßenrennen) bei der Nachwuchs-EM. Außerdem dominierte sie die Müller – Die lila Logistik Rad-Bundesliga, die wichtigste Talentschmiede im BDR. „Diese Rennserie ist für uns ein wichtiger Bestandteil in unserer Nachwuchsförderung“, weiß Schädlich.

Für Ludwig sind die Rennen in diesem Jahr schwerer geworden. Sie startet in dieser Saison für das Profiteam Canyon-Sram und kämpfte sich im Frühjahr  durch die schweren Klassiker wie Fleche Wallone und Amstel  Gold Race. „Vor ihr liegt noch ein steiniger Weg. Sie muss noch viel lernen, vor allem, sich im Peloton zu bewegen. Das ist noch ihre größte Schwäche“, sagt Teamchef Ronny Lauke über das Talent von der Mosel. „Aber sie hat viel Ehrgeiz. Ich bin sehr zufrieden mit ihrem Einstieg ins Profilager.“ In zwei, drei Jahren wird man sie auf dem Podest wiederfinden.

 

zum Foto: Vorbild für den Nachwuchs: Lisa Brennauer bei ihrem Gesamtsieg in Luxemburg Anfang Mai.  Foto: BDR

 

 

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