Radball: Starke Viererbande
Obernfeld, Eberstadt, Stein oder Gärtringen? Selbst Bundestrainer Jürgen King mag nicht vorhersehen, wer am Wochenende in Lübbecke deutscher Radballmeister werden könnte. Ein Interview.

Am letzten Wochenende gelang Bernd und Gerhard Mlady vom RMC Stein ein Sieg im Weltcup. Ein Fingerzeig?
Jürgen King: „Ein toller Erfolg, ein kleiner Durchbruch für die Beiden. Der sich aber schon angedeutet hatte. Zum Beispiel beim Final Five in Straubing, wo sie sich noch selbst um den Sieg brachten. Jetzt können sie das Feld bei der DM quasi von hinten aufrollen. Vielleicht ein psychologischer Vorteil.“

Und einmal mehr kämpfen vier Mannschaften um den Thron.
Jürgen King: „Die letzten Turniere zeigten, dass diese Vier auf Augenhöhe sind. Das wird schon eine Nervenschlacht. Obernfeld mit den meisten Punkten will natürlich unbedingt zur WM – und nicht einmal mehr als Ersatzteam. Gärtringen musste zu Saisonbeginn zweimal mit Ersatz antreten – und geriet ins Hintertreffen. Für Matze König und Uwe Berner zählt deshalb der – erste – Meistertitel. Eberstadt profitierte zunächst vom Vorteil, dass sie keiner richtig einschätzen konnte. Aber Jens Krichbaum und Roman Müller trainieren auch wie die Ochsen, es sind zwei hervorragende Einzelspieler. Und wenn man zwei Torleute zusammenspannt, tut man sich leichter. Radballspiele werden im Abwehrverhalten entschieden.“

Vor Jahresfrist gab es in Brünn keine Medaille für den BDR. Wie beurteilen Sie die aktuelle internationale Situation?
Jürgen King: „Unseren Top-Mannschaften fehlen höchstens zehn Prozent zum aktuellen Weltmeister aus Österreich. Aber es hat sich gezeigt, dass auch Patrick Schnetzer und Markus Bröll schlagbar sind. Tagesform und Nerven werden entscheiden. Generell verfügen wir über eine breitere Spitze, auch Iserlohn konnte die Großen ja manchmal ärgern. In Österreich, der Schweiz und Tschechien konzentriert sich alles auf ein, zwei Teams.“

Dennoch: Sie konstatierten selbst mehrfach den „Knick“, der hinter den Top 4 besteht. Und dass sich gute Nachwuchsteams nur langsam entwickeln.
Jürgen King: „Wir haben drei Duos, die über 30 sind, dann Stein, 25 Jahre – und danach tut sich altersmäßig ein großes Loch auf. Früher drängten die Besten aus dem Nachwuchsbereich schneller nach oben, heute versauern sie teilweise in der 2. Bundesliga. Ist die Motivation nicht mehr so vorhanden?“

Muss man sich um die internationale Klasse im Radball Sorgen machen?
Jürgen King: „Eher nicht. Beim Weltcup traten auch Spanien und Kanada an. Belgien und vor allem Frankreich haben im Moment talentierte Mannschaften. Mein Bruder, der in Indianapolis lebt, unterstützt die Entwicklung in Nordamerika. Ich blicke durchaus optimistisch in die Zukunft.“

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