Road to Glasgow

In wenigen Wochen beginnen in Glasgow die Super-Weltmeisterschaften. Erstmals in der Geschichte des Radsports werden - bis auf Querfeldein - alle Weltmeistertitel an einem Ort vergeben. Der BDR hat in vielen Disziplinen große Medaillenchancen. Die besten Aussichten auf WM-Gold bieten die Kunstfahrer. Wir stellen in den nächsten Wochen aussichtsreiche WM-Kandidaten vor. Heute starten wir mit Jana Pfann, amtierende Weltmeisterin im Einer-Kunstfahren der Elite.   

Erst 19 Jahre jung war Jana Pfann, als sie im vergangenen Jahr Weltmeisterin im Einer-Kunstfahren der Frauen wurde. Diesen Titel gilt es, am 13. August in Glasgow erfolgreich zu verteidigen. Dafür trainiert sie hart und setzte bereits beim ersten Weltcup in dieser Saison in Frankfurt-Höchst ein erstes Ausrufezeichen, als sie die beste Kür von allen Teilnehmerinnen hinlegte und das erste Leadertrikot 2023 überstreifte. Am kommenden Wochenende geht es in Bruckmühl in Bayern beim Weltcup in die zweite Runde. Dort will Pfann ihre Führung natürlich verteidigen.

Knapp acht Jahre war Jana Pfann alt, als sie mit dem Kunstfahren begann. Ein Showauftritt in ihrer Schule weckte ihr Interesse am Kunstfahren. „Das wollte ich unbedingt ausprobieren,“ erzählt sie von ihren ersten Schritten. Ihre Mutter, eine Lehrerin, unterstützte sie von Anfang an und ließ sich zur Trainerin ausbilden, hat heute großen Anteil am Erfolg ihrer Tochter.

Wenn Jana Pfann ihre Kür auf dem Kunstrad vorführt, ist das Perfektion in Vollendung. Man braucht eine extreme Körperspannung und eine sehr gute Körperhaltung, um die Übungen fehlerfrei zu bestehen. Diese Mischung aus Ausdauer und Konzentration macht den Reiz für Jana Pfann aus. „Trotzdem muss man nicht immer alles perfekt können, um weiterzukommen,“ sagt die 20-Jährige, die zusammen mit Elisa Hausmann auch noch im Zweier-Kunstfahren bei der RKB Solidarität Bruckmühl aktiv ist und in der wenigen Freizeit gern Volleyball spielt. Dazu bleibt allerdings wenig Zeit, denn Jana Pfann studiert außerdem Eventmanagerin an der Campus M Uni in München.

Die ehrgeizige Bayerin arbeitet hart daran, sich wieder für die WM im August in Glasgow zu qualifizieren. Die Konkurrenz im eigenen Lager ist groß. Deutschland ist die führende Nation im Kunstfahren. Dass sie es 2022 auf Anhieb in ihrem ersten Jahr in der Eliteklasse zur WM schaffte, darüber war sie damals selbst ein wenig erstaunt. Und sie ging völlig unbekümmert in den Wettkampf. „Ich wusste schon, dass ich in der vorderen Liga mitspielen kann, aber ich hatte keinen Druck, die Erwartungen waren nicht so hoch, ich hatte einfach Spaß“, erzählt sie. Vielleicht war es genau diese Lockerheit, die ihr in Gent die höchste Punktzahl – 190,14 – einbrachte. Und nach Platz zwei bei der Junioren-EM im Jahr zuvor gleich den obersten Platz auf dem Treppchen in der Eliteklasse.

Am 17. Juni startet in Gutach in Baden-Württemberg die dreiteilige German-Masters-Serie, bei der sich die Kunstfahrer für die WM qualifizieren müssen. Sie weiß, dass der Druck auf sie größer ist, als noch im vergangenen Jahr und die Leistungsdichte im deutschen Lager hoch ist. Zwischen ihr, Ramona Dandl oder Lara Füller liegen manchmal nur Zehntelpunkte, die über Sieg und Niederlage entscheiden.

Und in Glasgow können nur zwei deutsche Sportlerinnen im Einer an den Start gehen. Einen persönlichen Startplatz als amtierende Weltmeisterin, wie das auf der Bahn und der Straße üblich ist, gibt es im Kunstfahren nicht. Und so muss sich Jana Pfann wie alle anderen für die WM qualifizieren. Am kommenden Wochenende wird sie vor heimischer Kulisse in Bruckmühl schon einmal eine Kostprobe ihres Könnens abliefern. 

 

Foto: Schwarz

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